Nächste Tagung

Die nächste Jahrestagung zum Thema “Organisation & Politik” findet am 25.02. und 26.02.2027 an der Goethe-Universität in Frankfurt statt. Sie wird organisiert in Kooperation mit der Ostfalia – Hochschule für angewandte Wissenschaft. Hier geht es zum Call for Paper und zur Abstracteinreichung.

Organisation ist politisch und das Politische ist organisiert. Organisationen sind zentrale Orte, an denen politische Begriffe, gesellschaftliche Ordnungen und Zukunftsentwürfe hervorgebracht, ausgehandelt und wirksam werden. Insbesondere vor dem Hintergrund gegenwärtiger gesellschaftlicher Transformationsdynamiken gewinnt das Verhältnis von Organisation und Politik für Pädagogik und Erziehungswissenschaft neue Bedeutung (Schröder et al. 2023). So sind Organisationen der Bildung, Erziehung oder sozialen Dienstleistung maßgeblich daran beteiligt, politische Leitbegriffe wie Inklusion oder Diversität zu definieren und praktisch umzusetzen (Schreiner & Köngeter 2020). Politische Programme wie ‚Bildung für Nachhaltige Entwicklung‘ übertragen Bildungseinrichtungen Verantwortung für die Gestaltung gesellschaftlicher Transformationen (Elven 2026). Zugleich verändern Digitalisierung und Künstliche Intelligenz organisationale Machtverhältnisse, Lern- und Entwicklungsprozesse sowie Formen politischer Öffentlichkeit und Partizipation (Wendt 2025). Nicht zuletzt werden demokratische wie undemokratische Praxisformen, Prozesse der Politisierung und Entpolitisierung sowie Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe in und durch Organisationen hervorgebracht und verhandelt (Ehmann 2026). Organisationen prägen damit nicht nur politische Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse, sondern auch pädagogische Vermittlungs-, Aneignungs-, Lern- und Bildungsprozesse.

Die Beobachtung, dass Organisationen politische Ordnungen hervorbringen, stabilisieren und verändern, ist keineswegs neu (Manhart 2009). Unterschiedliche Ansätze haben vielmehr auf je eigene Weise das Verhältnis von Organisation und Politik in den Blick genommen. Während Organisation mit der Ausbildung moderner Verwaltung als Form legaler Herrschaft erscheint (Weber 1972), in der politische Macht durch Verfahren legitimiert wird (Luhmann 1969), betonen andere Perspektiven, dass Organisationen zugleich Räume gemeinsamen Handelns eröffnen oder verschließen und damit Prozesse der Politisierung wie Entpolitisierung ermöglichen (Arendt 1960). Weitere Ansätze analysieren Organisationen als Orte moderner Macht- und Regierungspraktiken, in denen Gouvernementalität, Selbststeuerung und Normalisierung ineinandergreifen (Foucault 2006; Hartz & Rätzer 2013). Hegemonie-, konventionen- oder konflikttheoretische Perspektiven begreifen Organisationen darüber hinaus als Arenen gesellschaftlicher Deutungskämpfe und politischer Auseinandersetzungen (Gramsci 1991; Boltanski & Thévenot 2006; Mouffe 2007).

Gemeinsam machen diese Perspektiven deutlich, dass Organisationen keine neutralen Vermittlungsinstanzen, sondern politische Ordnungen sind, in denen Macht, Konflikt, Legitimität und Zukunft ausgehandelt werden. Zugleich wirken Organisationen nicht nur als politische Arenen, Infrastrukturen oder Steuerungsapparate, sondern auch als politische Akteure, die gesellschaftliche Entwicklung aktiv mitgestalten (Klinge et al. 2022; Manhart 2023). Dies gilt umso mehr, als Organisationen politischen Einfluss bündeln und dadurch eine besondere gesellschaftliche Wirkmacht entfalten können (Coleman 1982). Die Tagung interessiert sich vor diesem Hintergrund für die vielfältigen Verflechtungen von Organisation und Politik sowie für die Frage, wie gesellschaftliche Konflikte, politische Programme und Zukunftsentwürfe gegenwärtig in, durch und zwischen Organisationen hervorgebracht, bearbeitet und wirksam werden.

Die Frage, wie politische Ordnungen, Konflikte und Zukunftsentwürfe in, durch und zwischen Organisationen hervorgebracht, bearbeitet und wirksam werden, soll im Rahmen der Tagung insbesondere in den folgenden Schwerpunktbereichen diskutiert werden.

Organisation als politische Arena:

Leitbilder, Zielvorgaben sowie Vermittlungs- und Lernpraktiken (pädagogischer) Organisationen sind sowohl Gegenstand als auch Ergebnis organisationaler Mikro-, Macht- und Interessenpolitiken (Küpper & Ortmann 1988; Matys 2025). Die politischen ‚Spiele‘ (Friedberg 1988), die Organisationen prägen, stehen einerseits im Zusammenhang mit übergreifenden Bildungs-, Sozial- oder generell Steuerungspolitiken. Andererseits werden politische Vorgaben und Reformmaßnahmen nicht einfach umgesetzt, sondern interpretiert, ausgehandelt und praktisch gestaltet (Mensching 2008). Ob bildungspolitische Vorgaben in affirmativer, subversiv-verformender Weise, symbolisch oder gar nicht organisational umgesetzt werden, ist maßgeblich für die gesellschaftliche Bildungswirklichkeit. Organisationen erweisen sich damit als politische Arenen, in denen politische Ordnungen hervorgebracht, stabilisiert oder ver- ändert werden. Hierin werden nicht zuletzt historisch gewachsene Entscheidungslogiken wirksam und demokratische wie undemokratische Praktiken erfahrbar – etwa im Umgang mit Partizipation, Legitimation und organisationalen Formen gesellschaftlicher Teilhabe (Müller-Jentsch 2025; Schröder 2023).

Unter welchen Bedingungen entstehen organisationale Mikro-, Macht- und Interessenpolitiken? Wie verhalten sich organisationale Umsetzungslogiken zu politischen Vorgaben und Reformmaßnahmen? Wie werden politische Ordnungen sowie demokratische und undemokratische Praktiken innerhalb von Organisationen hervorgebracht, verhandelt und verändert?

Organisation als Ort und Modus politischer Bildung:

Organisationen können als zentrale Orte gesellschaftlicher Teilhabe, politischer Bildung und kollektiver Selbstverständigung verstanden werden (Luhmann 1994). Historisch spielte die Organisation von Bildung eine zentrale Rolle für emanzipatorische Bewegungen: Sowohl die Frauenbewegung als auch die Arbeiter*innenbewegung stützten sich auf Vereine, Verbände und Bildungseinrichtungen, in denen gesellschaftliche Verhältnisse reflektiert, politische Strategien entwickelt und alternative Selbst- und Weltverhältnisse vermittelt wurden (Gieseke 2001; Negt 1981). Aber auch gegenwärtige soziale und politische Bewegungen nutzen Prozesse des Organisierens, um Wissen zu verbreiten, Gemeinschaft herzustellen und politische Handlungsfähigkeit zu entwickeln (Schröder 2025). Dabei entstehen unter den Bedingungen der Digitalisierung neue Organisationsformen politischer Bildung, Vergemeinschaftung und Mobilisierung (Costa & Wittmann 2021). Zugleich nutzen auch rechtsextreme und antidemokratische Akteure Bildungsorganisationen zur internen Verstetigung, politischen Sozialisation und gesellschaftlichen Normalisierung ihrer Weltbilder – sei es durch eigene Einrichtungen oder durch Einflussnahme auf bestehende Bildungsorganisationen (Baader 2020; Thole et al. 2022).

Welche Rolle spielten Organisationen historisch für politische Bildung und gesellschaftliche Emanzipation? Welche Rolle spielen Organisationen für politische Vergemeinschaftungs-, Mobilisierungs- und Institutionalisierungsprozesse? Welche neuen Organisationsformen politischer Bildung und Mobilisierung entstehen unter den Bedingungen der Digitalisierung?

Organisation als Akteur in Bildungs- und Sozialpolitik:

Pädagogische Organisationen sind nicht nur Adressatinnen politischer Rahmenbedingungen, sondern gestalten diese aktiv mit (Schröer 2025). Sie werden zu politischen Akteuren, wenn sie Expertise in politische Entscheidungsprozesse einbringen, Interessen artikulieren, politische Netzwerke bilden, Widerspruch und Protest organisieren oder gezielt Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen. Organisationen der Bildung, Erziehung und sozialen Hilfe wirken damit nicht nur an der Umsetzung politischer Programme mit, sondern beteiligen sich auch an deren Ausgestaltung, Legitimation und Kritik (Schröer et al. 2026). Politische Programme und Leitbilder wie New Public Management, die BolognaReform oder Inklusion haben zweifellos erhebliche Auswirkungen auf Prozesse öffentlicher Bildung, Erziehung und sozialer Unterstützung (Bütow et al. 2014; Münch 2011). Organisationale und rechtliche Vorgaben – von kommunalpolitischen Entscheidungen bis zu staatlichen Regulierungen – bilden jedoch

nicht nur den Handlungsrahmen organisationaler Praxis; vielmehr werden sie selbst zum Gegenstand organisationaler Interessenvertretung, Aushandlung und Einflussnahme. Organisationen treten dabei als Verbände, Träger oder Lobbyverbände in Erscheinung und prägen politische Entscheidungsprozesse auf unterschiedlichen Ebenen mit.

Wie werden Organisationen zu politischen Akteuren? Welche Formen organisationaler Interessenvertretung, Einflussnahme und Lobbyarbeit lassen sich im Bildungs- und Sozialbereich beobachten? Wie gestalten Organisationen bildungs- und sozialpolitische Programme, Reformen und Regulierungen mit? Welche Auswirkungen entfalten Bildungs- und Sozialpolitiken innerhalb von Organisationen?

Organisation, Öffentlichkeit und gesellschaftliche Transformation:

Gesellschaftliche Transformationen – etwa im Kontext sozial-ökologischer Nachhaltigkeit (Elven 2024), digitaler Technologien (Klinge 2024) oder demokratischen Wandels (Amlinger & Nachtwey 2022) – ver- ändern nicht nur Organisationen selbst, sondern auch die Bedingungen politischer Öffentlichkeit (Kaube & Kieserling 2022). Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Plattformisierung transformieren organisationale Kommunikations-, Entscheidungs- und Koordinationsformen und schaffen neue Möglichkeiten politischer Mobilisierung, Vergemeinschaftung und Interessenvertretung (Wendt & Manhart 2026). Zugleich stellen Nachhaltigkeitsanforderungen, veränderte Erwartungen an Partizipation sowie neue Formen gesellschaftlicher Vernetzung etablierte Organisationen vor grundlegende Anpassungsund Legitimationsherausforderungen. Organisationen sind dabei nicht lediglich Adressatinnen dieser Entwicklungen, sondern wirken aktiv an der Strukturierung und Regulierung gesellschaftlicher Transformation mit (Wendt 2025). Als Infrastrukturen von Kommunikation, Beteiligung und Repräsentation bündeln sie Aufmerksamkeit, koordinieren kollektive Prozesse und prägen die Voraussetzungen öffentlicher Verständigung (Habermas 2021). Zugleich geraten etablierte Organisationen zunehmend unter Legitimationsdruck, etwa im Kontext populistischer Organisationskritik, demokratischer Vertrauenskrisen oder veränderter Erwartungen an politische Beteiligung und Repräsentation (Manhart & Wendt 2020).

Wie verändern gesellschaftliche Transformationen die Rolle von Organisationen für Öffentlichkeit, Teilhabe und politische Verständigung? Welche neuen Organisationsformen politischer Mobilisierung, Vergemeinschaftung und Interessenvertretung entstehen? Wie reagieren Organisationen auf Transformationsanforderungen im Kontext von Nachhaltigkeit, Digitalisierung und demokratischem Wandel? Welche Rolle spielen Organisationen bei der Hervorbringung, Stabilisierung oder Transformation gesellschaftlicher Ordnungen?

Weitere Informationen und Aktuelles zur Tagung finden Sie auf der Tagungshomepage.

Im Vorfeld der Jahrestagung (24.-25.02.202z) findet zudem die numehr 12. PreConference für Wissenschaftler:innen in der Qualifikationsphase statt. Denn Call finden Sie hier.

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